Baumringe erinnern daran, was Historiker übersehen haben

17

Im Jahr 1200 brannte die Sonne.

Es war nicht das faule, elfjährige Nickerchen, das der Star heute macht. Nein, zwischen 1200 und 1704 n. Chr. verdichtete sich der Sonnenzyklus zu einem kurzen, intensiven Atemzug. Nur sieben oder acht Jahre. Das ist die von Holz und Tinte geflüsterte Geschichte. Durch vergrabene Baumwurzeln im Norden Japans. Und durch das Tagebuch von Fujiwara no Teika.

Der Himmel eines Dichters

Teika hat Meigetsuki geschrieben. Er lebte zwischen 1162 und 1241. Höfling. Dichter. Er bemerkte im Februar 1204 rote Ampeln über Kyoto.

„Rote Lichter am Nordhimmel.“

Kyoto liegt auf dem 35. Breitengrad. Polarlichter umarmen normalerweise die Pole. Um sie so weit im Süden zu sehen, ist ein gewaltiger Sonnenhammerschlag erforderlich. Teika hatte keine Ahnung, dass er Zeuge der Bewegung der Physik war. Auch chinesische Astronomen sahen es. Ein gemeinsamer Moment eines kosmischen Spektakels.

Der Kohlenstoff-Hinweis

Solare Protonenereignisse (SPEs) sind eine unangenehme Angelegenheit. Flares und koronale Massenauswürfe (Coronal Mass Ejectione, CMEs) beschleunigen Protonen auf neunzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Gefährlich für Astronauten. Für Satelliten erschreckend. Die meisten Protonen prallen vom Erdmagnetfeld ab. Manche tun das nicht.

Sie schlagen durch.

Wenn diese Partikel auf die Atmosphäre treffen, zerfallen sie zu Gas. Bei dieser Kollision entsteht Kohlenstoff-14. Das instabile Isotop driftet nach unten. Pflanzen atmen es ein. Bäume fangen es in Ringen ein.

Hiroko Miyahara leitet ein Team am Okinawa Institute of Science & Technology (OIST). Sie suchte nach diesen Ereignissen in Asunaro-Baumfossilien aus Japan. Geborenes Holz. Aus der Dunkelheit ausgegraben.

Sie fanden einen Anstieg von Kohlenstoff-14. Winter 1200 bis Frühjahr 1201.

Eine „subextreme“ SPE.

Versteckte Geschichte

Frühere Forschungen haben nur die größten Monster gejagt. Die seltenen, katastrophalen Explosionen. Aber Miyaharas Team argumentiert, dass es auf mittlere Stürme ankommt. Subextreme Ereignisse tragen zehn bis dreißig Prozent der Energie der großen Ereignisse. Sie kommen häufiger vor.

Wir können sie nicht ignorieren.

„Unser Papier liefert eine Grundlage, um sie zu erkennen.“

Mithilfe der Dendroklimatologie (Untersuchung der Ringabstände zur Verfolgung von Klimaveränderungen) kartierte das Team den Sonnenzyklus. Es war nicht glatt. Es war gezackt. Schnell. Die Sonne war aufgeladen. Die datierte SPE ereignete sich auf dem Höhepunkt dieses hektischen Zyklus.

Aber hier ist der seltsame Teil.

Die Polarlichter, die Teika sah, ereigneten sich, als der Zyklus zu Ende ging. Nähert sich dem Minimum. Normalerweise folgt das Weltraumwetter der Aktivität. Während der Spitzenzeiten spitzen die Fackeln zu. Dies übertraf die Erwartungen. Ein starkes Licht in der Dämmerung eines Zyklus.

Sonnenflecken lügen nicht

Isotopenstudien von Beryllium-10 und Kohlenstoff-14 zeigen, dass die Sonnenzyklen variieren. Wir wissen das schon seit einiger Zeit. Die Sonne ist seit zehn Jahrtausenden ein launisches Biest. Aber es gibt einen Haken.

Jahrzehntelang glaubten wir, dass 1940 die stärkste Sonnenperiode seit 9.000 Jahren begann. Das moderne große Maximum.

Diese Daten erschüttern diesen Stolz.

Das Mittelalter traf es härter. Oder zumindest schneller. Volatilatorischer.

Wir glauben, die Sonne zu kennen. Wir überwachen es täglich. Wir verfolgen seine Stellen. Dennoch birgt unser Stern immer noch Geheimnisse in seinen Ringen. Und in den Notizen eines Dichters.

Die Geschichte führt ihre eigenen Aufzeichnungen.

Wir müssen nur wissen, wie man sie liest. Oder auch nicht.

🌌