Im April 2026 markiert die NASA-Mission Artemis II einen historischen Meilenstein: Die ersten Menschen seit einem halben Jahrhundert werden den Mond umkreisen. Unter ihnen ist Victor Glover, der der erste schwarze Astronaut werden soll, der jemals die Mondoberfläche umkreist.
Obwohl Glovers Leistung einen monumentalen Sprung in die Repräsentation der Weltraumforschung darstellt, handelt es sich dabei nicht um ein isoliertes Ereignis. Es ist das jüngste Kapitel in einer langen, oft übersehenen Geschichte schwarzer Amerikaner, die die Grenzen der bekannten Welt überschritten haben – selbst wenn ihnen die Grundfreiheiten der Bürger, die sie anstrebten, verweigert wurden.
Der vergessene Pionier: York
Zwei Jahrhunderte vor Beginn des Weltraumzeitalters vollbrachte ein Mann, der nur als „York“ bekannt war, eine ähnliche Ausdauerleistung. York, ein versklavter Mann im Besitz von William Clark, war zwischen 1804 und 1806 ein wichtiges, wenn auch oft nicht genanntes Mitglied der Lewis-und-Clark-Expedition (Corps of Discovery).
Während sich Geschichtsbücher häufig auf die Führung von Meriwether Lewis und William Clark konzentrieren, zeigen neuere historische Forschungen, dass York weit mehr als ein „Körperdiener“ war. Er war ein wichtiger Agent, dessen Fähigkeiten für das Überleben der Expedition von entscheidender Bedeutung waren.
Eine Rolle, die durch Können und Überleben definiert wird
Yorks Beiträge waren praktisch, physisch und unverzichtbar:
– Technische Arbeit: Er wurde ausgewählt, um die schwere Peitschensäge zu bedienen, mit der die Winterquartiere der Expedition gebaut wurden.
– Einfallsreichtum: Er war ein erfahrener Jäger und galt als eines der wenigen Mitglieder der Gruppe, denen es gelang, einen Büffel zu erlegen.
– Expertennavigation: Auf den tückischen Gewässern des Columbia River gehörte York zu den Elite-Flussfahrern, die ausgewählt wurden, um Kanus durch gefährliche Stromschnellen zu navigieren.
– Diplomatie und Verbindung: Bei Begegnungen mit Indianerstämmen wie den Arikara diente York als einzigartiger kultureller Kontaktpunkt, der oft mit einheimischen Kindern in Kontakt kam und dazu beitrug, Kluften zwischen dem Corps und den örtlichen Führern zu überbrücken.
Das Paradox der Anerkennung
Trotz seiner wesentlichen Rolle blieb Yorks Status ein Widerspruch. Er war offizieller Teil einer von der Bundesregierung finanzierten Mission – einer Expedition, die damals einen größeren Prozentsatz des US-Regierungshaushalts ausmachte als die NASA heute.
Als die Expedition endete, zahlte die Regierung eine Entschädigung für Yorks Arbeitskraft, die ungefähr dem Lohn entsprach, den die Soldaten erhielten. Allerdings wurde das Geld im Einklang mit den Gesetzen der damaligen Zeit an seinen Besitzer, William Clark, und nicht an York selbst gezahlt.**
Dennoch gab es Hinweise auf eine aufstrebende Agentur. Im Verlauf der Reise begann York sich durchzusetzen – er schickte seiner Frau in Kentucky Büffelroben und beteiligte sich sogar am demokratischen Prozess, als die Kapitäne den Männern erlaubten, über ihr letztes Winterquartier abzustimmen. Diese Abstimmung war eine seltene, wenn auch kleine Anerkennung dafür, dass er mehr als nur ein Diener geworden war; er war ein Entdecker geworden.
Ein kontinuierlicher Forschungsfaden
Die Abstammungslinie von York bis Victor Glover stellt eine umfassendere, oft verborgene Erzählung der schwarzen Exzellenz in der amerikanischen Erkundung dar. Zu dieser Tradition gehört:
- Isaiah Brown: Wer hat zur Wheeler-Umfrage beigetragen, die den amerikanischen Westen nach dem Bürgerkrieg kartiert?
- Matthew Henson: Der unerschrockene Entdecker, der Robert Peary auf Arktisexpeditionen begleitete.
- NASA-Pioniere: Moderne Ikonen wie Guy Bluford, Mae Jemison und Jeanette Epps, die den Weg für die nächste Generation geebnet haben.
Der Übergang von den zerklüfteten Flussufern des Missouri zur Mondumlaufbahn des Mondes verdeutlicht einen tiefgreifenden Wandel. Während York um die geringste Anerkennung seiner Menschlichkeit und seines Könnens kämpfen musste, agieren moderne Entdecker wie Glover in einer Zeit, in der ihr Fachwissen auf einer globalen Bühne gefeiert wird.
In der Geschichte der Erforschung geht es nicht nur um die Entdeckung neuer Gebiete; Es geht um die Menschen, die den Mut haben, sie zu durchqueren, ungeachtet der ihnen auferlegten Zwänge.
Schlussfolgerung
Die Reise von York zu Victor Glover zeigt, dass schwarze Amerikaner immer an der Spitze der Entdeckungen standen und oft die für den Erfolg erforderlichen Arbeitskräfte und Fähigkeiten bereitstellten und gleichzeitig systemische Ungleichheit bewältigten. Die Anerkennung dieser Geschichte stellt sicher, dass endlich die gesamte Geschichte der menschlichen Erforschung erzählt wird.






























