Der New Scientist Book Club hat kürzlich seine Erkundung von Masud Husains Buch „Our Brains, Our Selves: What a neurologist’s patients learned about the brain and the self“ abgeschlossen, einem Buch, das bereits viel Lob erhalten hatte, unter anderem mit dem Trivedi Science Book Prize der Royal Society. Während das Buch von der Jury für seine „schöne Erforschung“ neurologischer Erkrankungen und ihrer Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein einer Person gelobt wurde, gaben die Clubmitglieder eine differenziertere und oft kritischere Bewertung ab. Dieser Artikel befasst sich mit der Rezension des Buchclubs und beleuchtet sowohl die Stärken als auch die Schwächen, die sich aus ihren Diskussionen ergaben.
Erkundung der Kernthemen und Verbindungen
Das Buch untersucht, wie verschiedene neurologische Erkrankungen das Selbstbewusstsein einer Person beeinträchtigen können, ein Konzept, das bei mehreren Clubmitgliedern großen Anklang fand. Husain verknüpft seine Krankengeschichten mit seinen eigenen Erfahrungen als Einwanderer, der sich in einer neuen Kultur zurechtfindet, und schafft so eine Erzählung, die berufliche Beobachtungen mit persönlichen Reflexionen verbindet. Diese Auseinandersetzung mit Identität und Zugehörigkeit, die insbesondere für diejenigen relevant ist, die einen Umzug erlebt haben, erwies sich für mehrere Leser als wichtige Erkenntnis.
Katherine Sarah fühlte sich tief mit der Erforschung von Sprache und Identität in dem Buch verbunden und zog Parallelen zu ihren eigenen Erfahrungen in einem Land, in dem sie die Sprache nicht sprach. „Es hat mich wirklich beeindruckt, wie sehr die Sprache einen Teil von mir selbst darstellt und wie schwer es ist, sich ohne sie darzustellen“, bemerkte sie. Auch Gosia Furmanik fand die Auseinandersetzung mit Identität und Migration persönlich relevant, da sie in ihrem Leben bereits zweimal migriert war. Diese Zusammenhänge unterstrichen die Fähigkeit des Buches, die Lücke zwischen wissenschaftlichem Verständnis und gelebter Erfahrung zu schließen.
Judith Lazell lobte die Lesbarkeit und den ansprechenden Stil des Buches, während Jennifer Marano besonders das Kapitel über Wahid beeindruckte, einen Busfahrer, der an Demenz mit Lewy-Körpern leidet und ein neues Verständnis des Sehens und der subjektiven Natur der Wahrnehmung zum Ausdruck brachte.
Bedenken hinsichtlich Erzählung und Stil
Der Empfang des Clubs war jedoch durchweg positiv. Mehrere Mitglieder äußerten Bedenken hinsichtlich Husains narrativer Wahl. Ein wiederkehrendes Problem war das Gefühl, dass der Autor Ereignisse und Dialoge manchmal auf eine Weise konstruierte, die künstlich oder gekünstelt wirkte. Husain selbst gab zu, Patientendaten fiktionalisiert zu haben, um die Anonymität zu gewährleisten, eine notwendige Praxis, die jedoch nach Ansicht einiger Leser die Authentizität des Buches beeinträchtigte. Niall Leighton äußerte sich frustriert über die scheinbar gestelzten Patientengespräche und stellte deren Grad der Fiktionalisierung in Frage.
Darüber hinaus empfanden einige Mitglieder Husains Schreibstil als übermäßig kunstvoll und im Kontext eines wissenschaftlichen Buches gelegentlich irritierend. Jennifer beschrieb die Vorliebe des Autors für „floride Beschreibungen“, die sich fehl am Platz anfühlten, und Judith und Niall empfanden die Einbeziehung von Definitionen für gängige Begriffe wie „atrophiert“ und „Wirbeltier“ als herablassend.
Die Frage nach „normaler“ und inklusiver Sprache
Über stilistische Bedenken hinaus äußerte der Club eine grundlegendere Kritik an Husains Verwendung des Wortes „normal“ bei der Beschreibung neurologischer Erkrankungen. Beispielsweise wurde es von mehreren Mitgliedern als problematisch empfunden, gesunde Personen als „normale Menschen“ zu bezeichnen. Gosia argumentierte, dass diese Sprache einen willkürlichen Standard bestärke und den Wert unterschiedlicher Erfahrungen herabsetze, einschließlich der Erfahrungen von Menschen, die mit einer Krankheit oder Behinderung leben. Niall, der sich als neurodivergent identifiziert, fand die wiederholte Verwendung von „normal“ entfremdend und betonte die Notwendigkeit einer umfassenderen Sprache bei der Erörterung neurologischer Unterschiede.
Ein Urteil: Leidenschaftliche Arbeit, mangelhafte Ausführung
Trotz dieser Kritik würdigte Jennifer Marano die Leidenschaft des Autors für seine Arbeit und würdigte letztendlich den Beitrag des Buches zum Verständnis der Komplexität des menschlichen Gehirns. Das Engagement des New Scientist Book Club für „Our Brains, Our Selves“ spiegelt den Wunsch nach Klarheit, Authentizität und Inklusivität im wissenschaftlichen Schreiben wider. Es ist eine Erinnerung daran, dass selbst hochgelobte Werke von einer strengen Prüfung profitieren können und wertvolle Gespräche über narrative Entscheidungen, Sprache und die Art und Weise, wie wir neurologische Vielfalt diskutieren, anstoßen.
Der Club geht nun zu seiner November-Lesung über: „Every Version of You“ von Grace Chan, ein Science-Fiction-Roman, der die Herausforderungen von Identität und Bewusstsein in einer virtuellen Welt untersucht. Dieser Wechsel zu einem Genre, das für seine fantasievolle Erforschung des Geistes bekannt ist, verspricht eine neue Perspektive auf genau die Fragen, die Husains Untersuchung des Gehirns und des Selbst aufwirft.































