Ein Astronaut erzählt von einem erschütternden Erlebnis während eines Weltraumspaziergangs, bei dem sich sein Helm mit Wasser füllte und im Vakuum des Weltraums fast erstickte. Der Vorfall, der sich im Juli 2013 ereignete, verdeutlicht die extremen Risiken, die mit Außenfahrzeugaktivitäten (EVA) verbunden sind, und die entscheidende Bedeutung von Notfallprotokollen.
Die stille Bedrohung durch Wasser im Weltraum
Der Astronaut beschreibt das plötzliche Gefühl, als würde sich kaltes Wasser in seinem Helm ansammeln, zunächst am Hinterkopf, dann schnell über sein Gesicht und in seine Nasenlöcher. In der Schwerelosigkeit des Weltraums verhält sich Wasser nicht wie auf der Erde; Die Kapillarwirkung beschleunigt seine Ausbreitung, wodurch die Sicht schnell beeinträchtigt und die Atemwege blockiert werden. Der Astronaut meldete das Leck sofort der Missionskontrolle und bewahrte dabei ein ruhiges Verhalten, während er im Stillen die begrenzte Zeit abschätzte, die noch verblieb, bis das Wasser seinen Mund erreichte.
Die psychologischen Auswirkungen wurden durch den Verlust des Situationsbewusstseins verstärkt. Die geringe Größe des Helms, der eher auf Praktikabilität als auf Kinospektakel ausgelegt ist, ließ nur wenig Platz für Wasseransammlungen. Als das Wasser den Hohlraum füllte, verzerrte es die Sicht, dämpfte Geräusche und unterbrach die Kommunikation mit der Bodenkontrolle.
Die dreidimensionale Realität des Weltraums
Der Vorfall ereignete sich während eines Weltraumspaziergangs, bei dem der Astronaut mithilfe eines Roboterarms neu positioniert wurde. Der verwirrende Mangel an Bezugspunkten – die Erde und die Raumstation dahinter – lösten eine einzigartige Wahrnehmung des dreidimensionalen Raums aus. Der Astronaut beschrieb das Universum als „schwammartiges Gewebe aus Blasen oder Hohlräumen“, gefüllt mit massiven Lichtquellen. Dieses Gefühl, das seitdem nie mehr vollständig reproduziert wurde, unterstreicht die tiefgreifenden psychologischen Auswirkungen der Isolation in der Leere.
Kontrollierte Reaktion unter Druck
Trotz der kritischen Situation hielten sich die Astronauten an die Notfallprozeduren, die ihnen während ihrer jahrelangen Ausbildung zum Piloten und Kampfpiloten eingetrichtert worden waren: Kontrolle behalten, die Situation analysieren und geeignete Maßnahmen ergreifen. Dies bedeutete, dass man trotz des Widerstands des unter Druck stehenden Raumanzugs mithilfe externer Griffe zur Luftschleuse zurückkehren musste. Der Druck des Anzugs macht selbst einfache Bewegungen ermüdend und macht das Greifen eines Griffs zu einer zermürbenden körperlichen Anstrengung.
Die Rückkehr zur Luftschleuse dauerte etwa sieben Minuten, wobei die Kommunikation mit der Bodenkontrolle unterbrochen wurde. Bemerkenswerterweise blieb die Herzfrequenz des Astronauten stabil, was den Beobachtern auf der Erde den Ernst der Lage verheimlichte.
Operative Erkenntnisse
Das Leck wurde auf einen verstopften Filter zurückgeführt, was zu sofortigen Änderungen in den Inspektionsprotokollen vor dem Weltraumspaziergang führte. Zukünftige Raumanzüge wurden mit einem Schnorchel ausgestattet, der für eine Notluftversorgung aus der Körperkammer des Anzugs sorgt, falls sich die Helme mit Wasser füllen. Der Vorfall ist eine deutliche Erinnerung an die unbarmherzige Umgebung des Weltraums und die ständige Notwendigkeit der Wachsamkeit.
Abschließend betont der Astronaut, dass die Arbeit von Astronauten zwar außergewöhnlich ist, aber nicht das Ergebnis außergewöhnlicher Einzelpersonen, sondern vielmehr das Ergebnis einer strengen Ausbildung und der Einhaltung klar definierter Verfahren ist.
Der Vorfall wird nie wieder passieren. Das ist der Silberstreif am Horizont.
