Knollenblätterpilze entwickeln in Kalifornien neue Giftstoffe: Eine wachsende Bedrohung

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Der hochgiftige Knollenblätterpilz (Amanita phalloides ) verbreitet sich nicht nur weltweit, sondern entwickelt in seinen invasiven Populationen, insbesondere in Kalifornien, auch schnell neue chemische Verbindungen. Diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge hinsichtlich der zunehmenden Toxizität des Pilzes und seiner Auswirkungen auf Ökosysteme.

Die tödliche Natur von Amanita phalloides

Der Knollenblätterpilz ist weltweit für etwa 90 % der durch Pilze verursachten Todesfälle verantwortlich. Schon der Verzehr einer kleinen Portion dieses Pilzes kann aufgrund der starken Giftstoffe, die Leber und Nieren schädigen, tödlich sein. Obwohl der Pilz in Europa beheimatet ist, hat er sein Verbreitungsgebiet auf Nord- und Südamerika, Afrika und Australien ausgeweitet. Die jüngste Entwicklung, die bei Kalifornischen Knollenfrüchten beobachtet wurde, lässt auf eine beschleunigte Anpassung an neue Umgebungen schließen.

Genetische Vielseitigkeit und schnelle Anpassung

Untersuchungen der University of Wisconsin-Madison (UW-Madison) zeigen, dass Knollenblätterpilze in Kalifornien im Vergleich zu denen in ihrem heimischen Verbreitungsgebiet andere chemische Verbindungen produzieren. Dies bestätigt, dass A. phalloides ist genetisch anpassungsfähig und kann seine Toxinproduktion je nach Lebensraum schnell ändern. Cecelia Stokes, Mykologin an der UW-Madison, stellt fest, dass der Pilz in ungewöhnlich dichten Gruppen auftritt – mehr als 40 Pilze unter einem einzigen Baum –, was auf ein aggressives Ausbreitungsmuster hinweist.

Wie der Pilz sein Gift entwickelt

Frühere Studien von Pringles Team identifizierten MSDIN-Gene als entscheidend für die Giftproduktion des Pilzes. Diese Gene bestimmen, wie der Pilz toxische Verbindungen von Grund auf synthetisiert und Enzyme und Inhaltsstoffe optimiert, um tödliche Sekundärmetaboliten zu erzeugen. Die neue Forschung zeigt, dass Kalifornischer Knollenblätterpilz diese Metaboliten nun ohne eine zuvor essentielle Aminosäuresequenz, sogenannte „Leadersequenz“, produzieren kann.

Auswirkungen führerloser Toxine

Das Fehlen der Leadersequenz ist ungewöhnlich. Forscher fanden heraus, dass diese „führerlosen Peptide“ in kalifornischen Todeskappen im Vergleich zu ihren europäischen Gegenstücken in deutlich höheren Mengen exprimiert werden. Während die genauen Auswirkungen unbekannt sind, vermuten Wissenschaftler, dass dies die invasiven Fähigkeiten des Pilzes verbessern und die Art und Weise beeinflussen könnte, wie er mit neuen Ökosystemen interagiert.

Diese Entwicklung verdeutlicht, wie schnell sich invasive Arten anpassen und lokale Umgebungen möglicherweise destabilisieren können. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um das volle Ausmaß dieser Veränderungen zu verstehen.

Die schnelle Entwicklung von Amanita phalloides unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung und Untersuchung. Die Fähigkeit des Pilzes, sich so schnell anzupassen, stellt eine wachsende Bedrohung sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für das Gleichgewicht der betroffenen Ökosysteme dar.